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Grebenstein, Fachgrosshandel für den Angelsport - Günter Grebenstein
Pioniere für das feine Fischen. PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Donnerstag, den 27. April 2006 um 21:55 Uhr

Günter GrebensteinDie Geschichte unserer Firma ist in den letzten Jahrzehnten ganz eng mit der Entwicklung des feinen Angelns verbunden. So war der Gründer unseres Unternehmens - Günter Grebenstein - 1968 Einzel-Weltmeister im Friedfischangeln in Irland.
Einen kleinen Eindruck wie es damals war und was sich in der Zeit verändert hat soll Ihnen dieses Interview von Rainer Oesterreich mit dem Maestro unseres Unternehmens geben. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen.

Günter Grebenstein,
Eines schon einmal vorab, vieles von dem, was Günter Grebenstein vor fast 40 Jahren über die Technik des Fischens und des Fütterns mit der Stippangel schrieb, könnte man noch heute unverändert abdrucken. Taktiken, Vorgehensweisen, das „Suchen“ des Fisches, es hat sich darin kaum etwas geändert. Auch im gesamten Angelzubehör findet man oft nur leichte Veränderungen. Posen hatten früher auch schon Formen, die man heute wieder findet, Schnüre sind heute lediglich feiner und belastbarer als zur damaligen Zeit. Die Haken können heute zwar kleiner und somit feiner hergestellt werden, doch mit 16er und 18er Haken hat auch schon Günter Grebenstein geangelt, und das enorm erfolgreich.

 

Günter Grebenstein, geb. am 06.05.1936, ein paar High-Lights
1966: Deutscher Meister, Mannschaft
1967: Deutscher Meister, Mannschaft
1967: Niedersachsenmeister, Einzel
1968: Weltmeister im Einzelfischen in Irland
1968: Vize-Weltmeister mit der Mannschaft
1969: Deutscher Meister , Einzel
1969: Niedersachsenmeister, Einzel
1970: Niedersachsenmeister, Einzel
1971: Niedersachsenmeister, Einzel

Günter Grebenstein
„Ja, es waren schon außergewöhnliche Zeiten. Ich weiß es noch ganz genau, 1964 habe ich mit einer 6m Steckrute (5 Teile) geangelt. Sie war aus Seerohr, quasi ein leichter Bambus. 1965 kam eine Alu-Steckrute auf den Markt (aus Frankreich), war auch 6m, unberingt. Dann, 1966/7 wurden Hohlglasruten modern, die es dann auch teleskopisierbar gab. Damit habe ich auch bei der Weltmeisterschaft 1968 in Irland gefischt, mit einer Rutenlänge von 6m und 7m.“

Rainer Oesterreich
„Wie waren denn die Verhältnisse bei der Weltmeisterschaft? Wie haben sie gefischt, mit welchem Material? Mit welchem Futter? Worauf musste man achten?

Günter Grebenstein
„Ich erinnere mich noch ganz genau. Wir hatten sehr trübes und rasend schnelles Wasser. Da es keine Ruten von 13m oder 14.50m gab, also die längsten Ruten so bei 7m lagen, musste schon beim Aufbau ganz massiv darauf geachtet werden, nicht zu laut am Ufer zu sein. Die Erschütterungen übertrugen sich bis zur Angelstelle, und die war oft nicht mehr als 3m – 6m vom Kiepenplatz entfernt. Zu unserer Zeit durften die Sitzkiepen oder auch Stühle nicht im Wasser stehen, selbst die eigenen Füße mussten sich im Trocknen befinden. Nun kann sich ja jeder ausrechnen, wenn man also ca. 1m von der Uferkante entfernt saß, die Rute z.B. 7m lang war, war die Futterstelle in etwas 5m bis 6m von der Uferkante entfernt. Bis dahin überträgen sich Erschütterungen durch das Laufen am Ufer recht stark. Wenn man kurz fischte, also so ca. in 3m Entfernung, auf Kleinfisch, war es umso wichtiger, sich ruhig zu verhalten. Das Reden ist nicht so tragisch, die Erschütterungen um so schlimmer.

Rainer Oesterreich
Was benutzten Sie für Schnüre? Welche Posen waren angesagt? Und vor allem, mit welchem Futter fischten Sie? Ich geh mal davon aus, dass „Sensas-Futter“, oder das „Weltmeister-Brassen von Grebenstein“ noch nicht am Markt waren, oder?....grins….

Günter Grebenstein
„…..grins…..nein, natürlich nicht. Wir haben uns die Posen oft selbst gebaut, aus Hartschaum. Dabei kamen wir auf die unglaublichsten Formen, doch im Training setzten sich bei der jeweiligen Grammzahl auch oft die gleiche Posenform durch. Wir benutzten Pfauenfederkiele. Bei der Weltmeisterschaft fischte ich mit 0,5 und 1 Gramm kurz, also auf Kleinfische, auf der Distanz, also bei 5m bis 7m kam ich mit 4-5 Gramm aus.
Als Schnur bevorzugten wir eine 12er Platil-Strong, die durchgehend gefischt wurde. Die Tragkraft hatte natürlich nicht die Werte von heute, doch kam ich damit gut zurecht.
In Irland habe ich dann mit einem 16er und 18er Haken gefischt, von der Fa. Mustad, ein langschenkliger Nickelhaken, gerade, nicht geschränkt.
Ja, das Futter war natürlich auch ein wichtiger Punkt. Doch durfte man diesen zu unserer Zeit nicht überbewerten.

Rainer Oesterreich
Damit haben Sie mir aber noch immer nicht gesagt, welche Substanzen sie fütterten. Ist das noch immer ein Geheimnis?

Günter Grebenstein
„….grins……dieser Bengel, gibt einfach keine Ruhe. Also gut, hier mal ein kleiner Überblick.
Ich habe zu meiner Zeit sehr viel ausprobiert, aber bestimmte Grundsätze immer eingehalten.

  • Leichtes Futter mit geringer Klebekraft lässt sich zum Ballen formen, die beim Einwerfen zusammenhalten, beim Aufprall auf die Wasseroberfläche auseinander fallen und als Futterwolke absinken. Gedacht war der Einsatz für stehende Gewässer oder für die Oberflächenfütterung auf Ukelei in stehenden oder fließenden Gewässern.
  • Leichtes, bindendes Futter bringt die Futterballen langsam zum Grund und lösen sich erst dort allmählich auf. Diesen Futtertyp nahm ich zum Angeln auf große Fische, langsam strömende Flüsse. Auch bei Schlammboden war dieser Typ gut, da schwere Futterballen eingesunken wären.
  • Schweres, gut bindendes Futter hatte den Vorteil, dass kompakte Futterbälle schnell zum Grund sanken, und sich dort nur langsam auflösten. Der Einsatzbereich war für mäßige bis schnell strömende Flüsse gedacht, mit Sand oder Kiesboden. Aber auch für Kanäle mit regem Schiffsverkehr und starker Schleusenströmung war das Futter geeignet.
  • Dann nahm ich noch schweres, weniger stark bindendes Futter. Die Ballen sanken schnell zum Grund, lösten sich aber schneller auf. Immer, wenn ich mäßig bis schnell strömende Flüsse mit unebenem oder steinigem Untergrund vorfand.

In Irland bei der Weltmeisterschaft hatte ich mir Salzkartoffeln gepresst, natürlich in heißem Zustand. Diese Masse habe ich auf eine größere Fläche verteilt, um sie mit Panier- oder Biskuitmehl abzustreuen, wie ich es immer genannt habe. Dem ganzen habe ich dann etwas Sand zugesetzt, und selbstverständlich auch Lebendköder, ich meine mich an so ca. 4 Liter Maden auf 20kg Futter. Dann noch ein wenig „Stinkefix“, und fertig war das Futter.
Es hat hingehauen, denn ich wurde mit 20 Fischen und 3.218 Punkten Weltmeister.“

Rainer Oesterreich
Ich fand es sehr spannend, einen ehemaligen Weltmeister zu befragen, doch habe ich auch in Ihren Ausführungen immer wieder gehört, dass die vielen Wettkämpfe zu der damaligen Zeit tolle Erinnerungen mit sich bringen, doch wurden Sie in unserem Gespräch aber auch nicht Müde, eine Botschaft den Lesern zu übermitteln. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie diese einmal in Worte fassen würden.

Günter Grebenstein
„Stimmt, das liegt mir wirklich sehr am Herzen.
„Immer wieder hört man von Anglern so Sätze wie:
ich habe schlecht gesessen……….
der hat ja nur Glück gehabt……….
da reisst mir doch kurz vor dem Kescher noch das Vorfach……..
da bog sich doch echt dieser Dreckshaken auf, und ich verlor die 8 Pfundbrasse
der hat doch betrogen, der hatte doch 10 kg Futter, obwohl nur 6 Liter erlaubt waren….
und
und
und

Ich glaube, ich brauche niemanden erklären, dass hier oft Neid, Missgunst und oft auch unfaires Verhalten eine große Rolle spielen.
Warum sprechen wir nicht viel mehr Anerkennung aus?
Warum können wir nicht dazu stehen, dass ein Anderer besser ist?
Warum können nicht mehr Menschen bescheidener sein?
Warum fällt einem das so schwer?

Ich würde mich wirklich freuen, wenn mehr darüber nachgedacht wird, wie man miteinander Freude an unserem Hobby erleben kann, dass dieses Hobby zu Freundschaften führen kann, zu Erlebnissen, die tief in einem Spuren hinterlassen würden, nach denen man sich so sehr sehnt.

Der Alltag ist oft schlimm genug, warum in der Freizeit auch streiten?

 

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 29. November 2009 um 20:44 Uhr
 
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